Über Gauner und Opfer - Ein Blick in die Wiener Zeitung

Über Gauner und Opfer – Ein Blick in die Wiener Zeitung

Das Ende. Ein imaginärer Ort voller Furcht, Angst und Zweifel. War es das? Ist es hier vorbei? Wenn man meint, etwas sei am Ende, dann kommt es natürlich auf den Kontext an. Schließlich kann es positiv oder negativ behaftet sein. Im Fall des Artikels „Das Ende des Familiennachzugs“ in der Wiener Zeitung ist es definitiv trauriger Natur.

Im Artikel befasst sich Simon Rosner mit der Asylnovelle, die seit wenigen Tagen durch alle Medien des Landes streift und ihre furchterregenden Spuren hinterlässt. Menschenrechtsverachtend und inakzeptabel, heißt es von links, ambitioniert und der erste Schritt zur Rettung des Abendlandes, heißt es von rechts. Simon Rosner ist jedoch klar entschlossen und biegt an der Kreuzung links ab. Vielleicht sogar im Eiltempo quer mit Handbremse.

Wie die Schlagzeile bereits verrät, scheint die Gesetzesnovelle „Asyl auf Zeit“ Unheil zu bringen. Menschenrechtsverletzend, teuer und kompliziert. Das Gesetz könne niemandem helfen, sondern nur alles verschlimmern. Dieses Fazit scheint aus dem Bericht heraus. Die Voraussetzungen für den Familiennachzug seien für Asylwerber und subsidiär Schutzberechtigte „kaum zu bewältigen“. Die Fristen sind zu kurz, die verlangten Mindestgehälter sind zu hoch und der Arbeitsmarkt einstiegsproblematisch. Viele Fehler im System, laut der Wiener Zeitung. Der Artikel führt weitergehend alle Probleme auf und zitiert auch das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR), welches ebenfalls klar gegen die Novelle ist.

Alles schön und gut, aber was mein Interesse wirklich geweckt hat, war der Kommentar von Walter Hämmerle, der sich gleich unter dem Artikel befindet.

Mit dem Titel „Es reicht jetzt mit der Psychologisierung“ stellt er sich zwischen die Fronten und spricht sich im Klartext über das wahre Problem aller aktuellen Debatten aus. Er beschreibt die Angst der Menschen vor der Flüchtlingskrise, der „Angst vor dem Fremden und dem Islam“, der Furcht vor dem Klimawandel, der gescheiterten Integration und der umfassenden Überwachung. Alles Themen, die ununterbrochen die Medien seit Monaten, beziehungsweise Jahren, überfluten. Im Kommentar stellt er sich jedoch auf keine Seite. Es scheitert, laut Hämmerle, an der Politik. Die Rettung sei „durchaus möglich“, wenn sich die Politiker nur nicht auf das „komplizierte Ganze“ konzentrieren würden, sondern auf „die kleineren Fragen darunter“. Schritt für Schritt also. Persönlich finde ich den Text sehr amüsant und hoch interessant, da man hier einmal von „links-linken Gutmenschen“ und „Neo-Nazis“ wegkommt und eine nüchterne Meinung eines Mannes liest, der sich parteilos der Lösungsfindung widmet, anstatt auf Psychologisierung zu setzen.

Nachlese: Eckpunkte und Unklarheiten der Asylnovelle