Die sanitäre Krise der Flüchtlingssituation

Dieser Eintrag soll keine bestimmten Zeitungsartikel analysieren. Hier wird die Pressekonferenz der Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz, Samariterbund und Volkshilfe beleuchtet und kritisch betrachtet. Diese versammelten sich am Dienstag, den 15.12.2015 um schwere Kritik an der momentanen Flüchtlingssituation auszuüben. Das System sei in sich zusammengebrochen und derzeit komplett unzumutbar. Es wird um sofortiges Handeln der Regierung appelliert.

Krise der Quartiere

Derzeit befinden sich 7000 Flüchtlinge in Notunterkünften. Diese seien, so Walter Marschitz, Geschäftsführer des Hilfswerks, sehr provisorisch. Eigentlich sollten sie bereits in der Grundversorgung einquartiert sein. 1300 von ihnen sind minderjährig. Marschitz schätzt auf hunderte Flüchtlinge, die den Winter auf der Straße verbringen müssen.

Michael Chalupka, Direktor der Diakonie, kritisiert, dass das System in sich zusammengebrochen sei. Eigentlich sollte bereits nach 48 Stunden ein Quartier gefunden sein. Im Moment dauert es aufgrund der hohen Asylanträge (derzeit 300-400 täglich) drei Monate, bei Jugendlichen bis zu sechs Monate. Für eine so lange Zeit seien Notunterkünfte nicht ausreichend.

Erstversorgung ist Priorität

Derzeit fehlt es an ca. 15 000 Grundversorgungsplätzen. Die NGOs empfehlen das Schaffen eines Verteilungszentrums. Pro Bundesland soll eine bestimmte Quote von Flüchtlingen aufgenommen werden. Landeserstaufnahmen sollen von den Ländern bezahlt werden, der Bund soll 70% der Quartiere finanzieren, so Chalupka.

Bei einer zu großen Anzahl an Flüchtlingen in einem Bundesland soll Solidarität herrschen und dieses von anderen entlastet werden. Der Bund soll finanziell unterstützen und eigene Quartiere zur Verfügung stellen. Wichtig sei vor allem, dass eine angemessene Erstunterkunft existiert.

Alphabetisierung vor Asylgenehmigung

Derzeit dauern Asylverfahren sehr lange. Man könne laut Reinhard Bundesmüller, Bundesgeschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bundes Österreichs, diese Zeit nutzen, um Deutschkurse durchzuführen. Hier sei sekundär, ob bereits klar ist, dass der Prozess genehmigt wurde oder nicht.

Caritas-Generalsekretär Wachter: „Die Not der einen wird gegen die der Anderen ausgespielt“

Es sei dringend notwendig, vom Krieg geflüchtete Personen psychotherapeutisch zu unterstützen. Traumatisierte Menschen haben große Schwierigkeiten, sich eine neue Sprache anzueignen. Weiters ist es sehr schwer für sie, sich zu integrieren und als Menschen weiterzuentwickeln, so Wachter.

Weiters müsse man sich mehr für leistbaren Wohnraum einsetzen. Es ist bereits für ärmere österreichische Staatsbürger schwierig, eine Wohnung zu finden, für Flüchtlinge sei es fast ein Ding der Unmöglichkeit. Viel zu wenig Geld würde hierfür in die Hand genommen werden. Ehrenamtliche Hilfe sei zwar notwendig und wichtig, allerdings nicht ausreichend. Sollte die Regierung sich in Zukunft nicht mit diesem Problem beschäftigen, würde es bald zu einer massiven Obdachlosigkeitskrise kommen.

Eine Analyse

Grundsätzlich ist die Bekanntgabe der Situation zwar legitim und notwendig, allerdings lassen die Verbesserungsvorschläge zu wünschen übrig. So werden diese zwar ausgesprochen, nie aber wird weiter darauf eingegangen, wie dies umzusetzen sei. Im Gegenteil, als im Publikum die Frage kam, wie sich diese Vorschläge finanziell je ausgehen sollten, wurde ausgewichen, man sei als Hilfsorganisation schließlich nicht dafür zuständig, sich so etwas zu überlegen. Allerdings stellt sich bei so einer Einstellung die Frage, ob man dann dafür zuständig ist, mit solchen Vorschlägen zu kommen, wenn diese dann nicht mit einer realistischen Überlegung unterstützt werden können.