Übergriffe in Köln zu Silvester: Medien im Lügenpresse-Dilemma

In der Silvesternacht kam es rund um den Hauptbahnhof in Köln zu massiven sexuellen Übergriffen an Frauen sowie zu Diebstählen. Deutsche Medien berichteten darüber erst mehrere Tage später. Erst nach und nach sickerte die Info duch, dass die mutmaßlichen Täter laut Zeugenaussagen aus dem „arabischen sowie Nordafrikanischem“ Raum stammen sollen.

Der Vorfall selbst, als auch der Umgang der Presse damit war ein gefundenes Fressen für die rechte Szene. Hetzer vom rechten Rand fühlten sich bestätigt, dass Flüchtlinge kriminell sind und Frauen vergewaltigen. Und dass die Presse solche Vorfälle verschweigt oder beschönigt.

Wieso wurde so spät darüber berichtet? Wieso wurde die Info über die Herkunft der Täter erst so spät über offizielle Medienkanäle verbreitet?

Fast alle seriösen Medien taten sich mit der Berichterstattung darüber schwer. Einerseits wollten Sie die angespannte Lage in Bezug auf Flüchtlinge in Deutschland durch den Vorfall am Kölner Hauptbahnhof nicht weiter anheizen. Andererseits wollten Sie sich auch dem „Lügenpresse“ – Vorworuf nicht aussetzen, und diese Nachricht verschweigen.

In dieser Situation entscheiden sich die meisten Medien für die schlechteste aller Optionen. Zunächst berichteten sie gar nicht über den Vorfall, und einige Tage später berichteten Sie offensiv mit der Bekanntgabe der Herkunft der Täter, um sich nicht vorwerfen lassen zu müssen, sie würden irgendetwas verschweigen.

Umgekehrt wäre es besser gewesen. Sofortige Berichterstattung ohne Angabe der Täterherkunft.

Normalerweise benennen Qualitätsmedien die religiöse oder ethnische Herkunft von Tätern nicht. Das ist auch im Leitfaden des deutschn Pressekodex so formuliert. Es gibt nur eine Ausnahme. Unter Punkt 12.1 des Pressekodex heißt es

Berichterstattung über StraftatenIn der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht.Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.

Nun kann man darüber streiten ob im vorliegenden Fall ein begründeter Sachbezug besteht.

Nach Angaben der Polizei handelte es sich nicht um Flüchtlinge, sondern um Polizeibekannte Kriminelle mit Migrationshintergrund. Wenn das zutrifft, ist kein Sachbezug zwischen Herkunft der Täter und dem Vorfall festzumachen, und somit sollte darüber auch nicht berichtet werden.

Was hier medial geschehen ist, ist ein Beispiel von vorauseilendem Gehorsam der sogenannten Qualitätspresse vor dem Rechten (Internet-)Mob.

Kleines Detail am Rande: Die ARD war so unsicher wie Sie darüber berichten sollen, dass Sie auf twitter danach fragten: